GAIA
Chaeg Kim
Ein Durcheinander im eigenen Zimmer, überall Kleidung und Flaschen. Die Grenzenlosigkeit des Chaos nimmt in Chaeg Kims Serie Gaia plötzlich Form an.
»Mein lange ungepflegtes Zimmer war ein einziges Chaos. Überall verstreute Kleidung, Schimmel durch die Feuchtigkeit, herumliegende Flaschen und Haare auf dem Boden – der Zustand meines Zimmers schien meinem momentanen Gemütszustand ähnlich zu sein. Doch selbst in diesem Durcheinander entsteht eine Form. Es ist ein Anblick, den ich niemandem wirklich zeigen möchte, und gleichzeitig möchte ich jemanden zu diesem Zustand einladen.«
Chaos. Ein Zimmer, ein Zustand und viele Dinge, die Formen aus dem vermeintlichen Nichts schaffen. Chaeg Kims Fotografien zeigen einen äußeren Zustand, der dem innerlichen Chaos gleicht und öffnen dabei Türen zu den verstecktesten Ecken eines Zimmers.
Chaeg Kim eröffnet in seiner Serie eine eigene Welt inmitten der Intimität eines persönlichen Durcheinanders. Vom Kleiderhaufen, der hinter der Schranktüre verschwinden könnte, bis hin zur Ordnung im schön sortierten Chaos am Schreibtisch. In Gaia treten die Betrachtenden in das Universum eines Gemütszustandes und den damit verbunden äußeren Zuständen ein. Die Schwere, die in einer solchen Wahrnehmung des eigenen Raums liegt, kann nach außen hin jedoch genauso schwer ersichtlich sein, wie die inneren Zustände, die sich gleich chaotisch anfühlen können. Und so liegt im vermeintlichen Chaos doch noch eine Form der Struktur versteckt. Das Chaos als ungeordneter Zustand, der in Gaia Struktur annimmt.
Text von Selma Mierl
Chaeg Kim (*1992) nimmt das Persönliche und das Geschehen im Umfeld als Ausgangspunkt seiner fotografischen Arbeit. Er interessiert sich dafür, welche Rolle die Fotografie heute spielen kann und welche Formen von Arbeit damit möglich sind.