klara - werner - gisela
Isabelle von der Born
In einer einzigen Box bekommt Isabelle von der Born einen wesentlichen Teil ihrer Familienhistorie übergeben, als ihr Großvater ihr seine alte Kamera, wie Negativen schenkt. Kurz darauf digitalisiert von der Born diese, nicht wissend von ihrem Inhalt, und steht vor einer Wucht an Aufzeichnungen ihrer Vorfahren, unsortiert und undurchlässig seitens ihrer Informationen. Im Versuch diese zu ordnen und sich dabei gleichzeitig ihrer eigenen Genealogie zu nähern, handhabt sie diese in eigener Art und Weise: in klara, werner und gisela.
Nach der Digitalisierung spricht von der Born mit ihrem Großvater und fragt nach den ihr fremden Gesichtern auf den Fotografien. Zu sehen sind er selbst, von der Borns Großmutter, wie Urgroßmutter, deren Namen sie trägt. Das Bild ihrer Familie füllt sich, dem Leben ihrer (Ur-)Großeltern wird mehr Jugend, Individualität und Leben zugesprochen, abseits vom vergangenen Blick, fast schon wie ein Fenster in einer vergangenen Gegenwart.
Was machen wir mit Erinnerungen der Vergangenheit und unserer Selbst? Konfrontiert mit einer Fülle an geladenen Informationen begann die Kunst- und Designtheoretikerin ihr neu gewonnenes Archiv zu konservieren. In Überlappungen zeigt von der Born das Bild im Bild und mit ihr ihre Bestrebung, die Essenz der Vergangenheit eigens einzufangen.
Einführung von Viviana Krajewski
»Werners Negative. Bilder lange vor meiner Zeit.
Der Versuch, persönliche Erlebnisse in eine Ordnung zu bringen.
Momente, die ich selbst nicht erlebt habe und die doch in meinen Händen liegen.
Wie schreiben sich Erinnerungen fort?
Bilder meiner Urgroßmutter, deren Namen ich trage. Wer sind diese Menschen?
Familiäre Beziehungen sind häufig das Resultat tiefer, über Generationen gewachsener Emotionen und Erwartungen. Was nicht augenblicklich sichtbar wird und diesen Bildern doch inhärent ist, ist Leichtigkeit. Bei allem was Familie mit sich bringt, überwiegt doch der Lichtstreif, dass wir unser eigenes Leben leben.«
Isabelle von der Born studierte Kunstgeschichte und Designwissenschaft in Frankfurt am Main und Essen. Sie beschäftigt sich in ihrer aktuellen Forschung mit der Verschränkung von Gesellschaft und Gestaltung im Hinblick auf Care-Arbeit