NEUES SEHEN
Jan Steuer
In geometrischen Formen; Ecken und Kanten, Mischung von Medien; analog und digital und satten, wie auch leichten Farben balanciert Steuer zwischen einer (Un-)Ordnung, die unbeabsichtigte Momente in gefundener starker Komposition neu aufleben lassen. Für Chaos bringt Steuer eine Ansammlung seiner unbetitelten Fotografien zusammen, die vergängliche Augenblicke festhalten und in eigener Dynamik leiten.
Steuers Wiedergabe der Realität weckt einen frischen Blick für unsere Umwelt. Obgleich die Aufnahmen alltägliche Momente berühren und dabei Ecken zeigen, denen wir leicht begegnen können, ergibt sich in seinen Aufnahmen ein fast schon surrealistisches Moment. In ihrer Einfachheit, viel mehr in ihrer speziellen Schnappschusshaftigkeit werden die Bilder zu einer Zurschaustellung von Absurditäten der Realität und knüpfen hiermit an Erinnerungen des Träumens an: Schatten und Linien, die perfekt fallen oder satte Farben, die aufeinandertreffen; dazu Quallen und Wolken, die am Blick vorbeiziehen. In Zeiten, in denen alles nicht schnell genug vonstatten gehen kann, ruft Steuer auf zum verweilenden, fokussierten Sehen und macht aufmerksam auf die kleinen Dinge, die wir zu verpassen scheinen. Steuers Interesse am Design, wie unserer Alltäglichkeit hallt nach und lädt dabei ein, Genügsamkeit im Detail zu erfahren.
Text von Viviana Krajewski
Jan Steuer (*1996) studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt und anschließend im Master Photography Studies and Research. Sein aktuelles Forschungsinteresse gilt der Schnittstelle von Fotografie, Kunst und Design.