LOGBUCH II
Larissa Zauser
»Was tun mit dem eigenen Chaos«
fragt sich Larissa Zauser in ihren Logbüchern, geschaffen aus der Introspektion ihrer Selbst. In lyrischer, wie fotografischer Form begegnen wir den Gedanken der Künstlerin in vulnerabler Fassung von inhaltlicher Schwere, doch gefühlter Leichtigkeit und knüpfen hier an einer eigens kreierten Narration des Selbst an.
Eigentlich aus maritimem Kontext stammend, beinhaltet das Logbuch die Aufzeichnung und Archivierung der Seefahrt. Zauser dokumentiert ihre Gedanken in ihren eigenen Logbüchern seit 2015. Als Legasthenikerin wurde der Künstlerin oftmals gesagt, ihre Texte besäßen zwar an inhaltlicher Tiefe, doch scheiterten sie in ihrer Form. 4 Jahre später fing sie an zu drucken.
In bisher drei Teile gegliedert, teilt Zauser ihr persönliches Logbuch in künstlerischer Inszenierung. Die Seiten des Buches, gepaart mit dem jeweiligen Datum der Textfassung, geben einen intimen Einblick in verschiedene Augenblicke und Phasen des Selbst ohne dabei ins Detail des Lebens zu gehen. Die Symbiose der lyrischen Form und der ausgewählten Fotografien aus ihrem Archiv wahren trotz ihrer gefühlten Realität noch immer eine gewisse Distanz und geben die Gedanken nur nebulös weiter. Somit positioniert sich Zauser nicht zwanghaft in das Zentrum ihrer eigenen Arbeit. Viel mehr wird sie zur Beobachterin ihrer eigenen Welt, der wir als Zuschauenden folgen. Dies verstärkt sich umso mehr durch das häufig genutzte Du, was Zauser verwendet. Die Künstlerin objektifiziert sich selbst und zieht sich zwar in ihrer Introspektion zurück, doch blickt dabei viel mehr von außen auf sich. Zudem öffnet sich hiermit der Raum zur Identifizierung, zum Mitfühlen seitens der Lesenden und schafft eine gemeinsame Intimität. Trotz allem bleibt Zauser die Geschichtenerzählerin. Dies zeigt sich gerade an der Form der Texte. Nomen sind klein, Verben groß: Lesende folgen dem Klang der Gedanken und entgegen einer eigentlichen Norm. Zauser selbst spricht geschriebenes immer aus und strebt dabei einen harmonischen Rhythmus ihrer Gedanken an, der beim Lesen nachhallt.
Mit 50 gedruckten Exemplaren pro Logbuch tauschte Zauser diese mit ihrem Umfeld und schuf sich so eine eigens kreiierte private Öffentlichkeit, die ihre Introspektion, zwar noch so eigen, ebenso universell ansprechbar macht. Gerade die Buchform verstärkt durch das physische Moment eine Intimität, die einlädt, zu blättern und zu observieren. Teil 4 der Logbücher ist in Arbeit und mit ihr schließt Zauser eben jene Reihe ab.
Text von Viviana Krajewski
Larissa Zauser (*1991, Österreich) ist in Kappl aufgewachsen. Nach ihrer Ausbildung an der HTL Ortweinschule in Graz (Fotografie und MultimediaArt) war sie von 2011 bis 2019 im Forum Stadtpark tätig. Seit 2019 studiert sie an der Folkwang Universität der Künste in NRW, wo sie 2024 ihren Bachelor abschloss und seit Oktober 2024 den Masterstudiengang Photography Studies and Practice absolviert. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und in mehreren Publikationen veröffentlicht. 2017 erhielt sie den Fotoförderpreis der Stadt Graz, 2023 wurde sie in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen. 2025 gewann sie mit ihrer BA-Abschlussarbeit Schützinnen den Nachwuchspreis „gute Aussichten – junge deutsche Fotografie 24/25“.